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Das Haar (der schönste Schmuck der Frau)

Das Haar – der schönste Schmuck der Frau

Goldblonde Locken, blauschwarzes Haar und das natürliche Rotblond der grünäugigen Irin rissen Dichter aller Zeiten und Länder zum begelsterten „Lob der Frauenschönheit“ hin. Weltherrscher wie Antonius und Cäsar rasten per Schnallsegler nach Ägypten, um den dunklen, mit wohlduftenden Essenzen gesalbten und gepflegten Locken der Kleopatra zu verfallen. Die Römerinnen – selbst wohlonduliert – erblaßten vor Neid, als sie das im natürlichen Glanz strahlende Blondhaar der Thusnelda im Triumphzug erblickten.

Der Maler Tizian machte die Schönheit der Venezianerinnen weltberühmt; er bevorzugte Modelle mit rötlich schimmernden Haaren, und tizianrote Haare gelten auch heute noch als besonders reizvoll.

Die faszinierende Farbe des „schönsten Schmuckes der Frau“ ist ein seltenes Geschenk der Natur. Aber seit uralten Zeiten hat jede Frau den Wunsch, in allen Variationen zu glänzen. Wenn sie gefallen will, versucht sie mit allen Mitteln das, was die Natur ihr verlieh, zu verbessern, zu verschönern und zu übertrumpfen. Schon im Altertum haben gepflegte Frauen täglich ihre Haare gesalbt, gebadet, gebürstet; nicht nur das, sie besaßen Geheimrezepte, mit denen sie die gewünschte Farbe erzielten. Die Römerinnen kannten bereits Mittel, ihr Haar zu bleichen, wenn es auch nicht immer an das so begehrte Germanenblond heranreichte, und die Venezianerinnen nahmen alle Strapazen in Kauf, um tizianrot zu leuchten. Tagelang saßen die Damen auf den Dächern ihrer Paläste, stülpten sich einen breitrandigen Hut, dessen Kopf herausgesehnitten war, über die Lockenpracht, so daß das Haar ringsherum auf dem Hutrand ausgebreitet lag. Dienerinnen waren ununterbrochen damit beschäftigt, das Haar mit teuer erstandenen Mixturen anzufeuchten, die in der südlichen Sonne schnell eintrockneten und allmählich den ersehnten Farbton hervorzauberten.

das haar

das haar

Man kannte auch schon Mittel und Wege, um glattes Haar zu locken oder zu wellen und allzu krause Haare in wenigen Stunden einigermaßen zu glätten. Das Geheimnis der Dauerwelle war bereits im Mittelalter und besonders während der Rokokozeit bekannt; allerdings war das Verfahren noch reichlich primitiv. Die Hoffriseure wickelten das Haar für die Perücken auf Holzstäbchen und legten diese zwei bis drei Stunden in kochendes Wasser, dem sie einen alkalihaltigen Stoff beigemengt hatten. Die getrockneten Haare wurden in zahllose Löckchen gekämmt und dann mit einer „Puderwolke“ bestäubt. Jede Frau, die damals eine „Rolle“ am Hof spielen wollte, mußte mindestens drei Perücken besitzen, denn zwei waren immer beim Friseur.

Die Kaiserin Eugenie, die Gemahlin Napoleons III., war blond. Die Französinnen zeigten ihre Anhänglichkeit an die Herrscherin, indem sie sie bis zur Haarfarbe imitierten. Und so erfand der Friseur Hugot das Mittel, die Haare mit Wasserstoffsuperoxyd zu bleichen. Für jede Behandlung verlangte er 300 Francs in Gold – und bald sah man unter den Damen der Pariser Gesellschaft fast nur noch Blondinen.

Die Erfindung der hochgekämmten Frisur ist einer Mätresse Ludwigs XIV. zu verdanken. Sie war sehr klein, und die hohen Absätze ihrer Schuhe reichten nicht aus, um sie größer erscheinen zu lassen. Deswegen ließ sie sich von ihrer Zofe das Haar in die Höhe frisieren. Ihre neue Frisur erregte so großes Aufsehen, daß sie sofort von der Mode aufgegriffen wurde, die wie immer reichlich übertrieb. Zuletzt nahmen diese Frisuren Formen an, daß man Haargebirge bis zu einem halben Meter sehen konnte. Es waren „goldene“ Zeiten für die Zunft der Hoffriseure, die sich mit Brcnnschere und Chemikalien Goldstücke und Staatspensionen erwarben. Die Französische Revolution machte damit radikalen Schluß: der ganze Frisurkult brach zusammen. Die Zottelfrisur wurde modern – je toller, je schöner.

Die Jahre 1840-1880 brachten noch einige Rückschlige; aber auch diese wurden im ersten Weltkrieg „vom Winde verweht“. Der Bubikopf wurde modern, und der falsche Dutt landete auf dem Schutthaufen. Die Ersatzteile verschwanden, and die langen Haare fielen der Schere zum Opfer; aber … Fortschritt und Technik erfanden neue Mittel, die Haare künstlich zu färben und zu locken.

kurze haare

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All diese Verschönerungen können nur durch chemisch-physikalische Methoden erzielt werden, die auf die Dauer und bei allzu häufiger An wendung die Gesundheit des Haares schädigen. Die Haarspitzen werden spröde, spalten sich, brechen ab – und eines Tages ist es dann soweit: die Haare stehen einem zu Berge und lassen sich kaum noch mit Bürste und Kamm bändigen. Dann hilft nur noch ein radikaler Enfschluß: „Her mit der Schere!“ Die widerspenstigen Locken müssen fallen, um den Haarnachwuchs zu retten. Kurze Haare sind zwar bequem, sie brauchen aber, wenn die Frisur gut sitzen soll, noch mehr Pflege als lange Haare. Die Pigaros wissen das, darum bringen sie einen besonders kurzen Haarschnitt immer dann in Mode, wenn sich die Modewelle mit dauergekrausten Locken allzusehr Überschlagen hat. Sie wissen, daß das strapazierte Haar eine Schonzeit braucht, um sich wieder einigermaßen erholen zu können. Aus solchen Erkenntnissen entstehen dann Modeschöpfungen wie z. B. die Mecki-Frisur, bei der das Kopfhaar bis auf wenige Zentimeter gestutzt wird. Zuviel der Kunst ist ungesund! Die Natur läßt sich weder so noch so ungestraft vergewaltigen.

Für den gesunden Menschenverstand gibt es deswegen nach sorgfältiger Prüfung nur einen guten Rat: Soviel natürliche regelmäßige Haarpflege wio möglich; künstliche Nachhilfe nur dann, wenn unbedingt notwendig.


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