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bewährungshelfer

Bewährungshelfer werden

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Bewährungshelfer werden

Bewährungshelfer ist heute ein zwar schon oft genannter, aber noch fast unbekannter Beruf. www.zizibilder.com gibt einen Einblick in die Aufgaben und Arbeitsweisen eines Bewährungshelfers in München-Stadt.

Der Alltag

Der Bewährungshelfer hat die Aufgabe, den sogenannten Probanden, einen Straffälligen, der mit Bewährungsfrist in Freiheit gesetzt ist, bei seinen ersten Schritten zurück ins bürgerliche Leben behilflich zu sein. Somit steht die Hilfe bei allem Einsatz im Vordergrund. Die durchschnittliche Fallbelastung für einen Bewährungshelfer beträgt etwa 67 Probanden. Die Sprechstunden im Büro stellen einen gewissen Fixpunkt dar. Alle anderen Dienstzeiten sind sehr variabel und hängen von den jeweils notwendigen Hilfestellungen ab, von Verhandlungen, Anstaltsbesuchen, Hausbesuchen, Kontakten mit Ämtern, Institutionen usw. Dabei sind die Probleme der Probanden so mannigfaltig, daß sie sich nur schwer aufgliedern lassen.

Bei den ersten Kontakten mit Probanden empfiehlt es sich, einen Sorgen- oder Problemkatalog anzulegen. Die so gesammelten Stichworte können dann in einem Schema verwertet werden. Der Schwerpunkt kann in finanziellen genauso wie in psychischen Problemen liegen. Bei Grundproblemen, die nicht mehr unmittelbar mit sozialpädagogischen Mitteln gelöst werden können, muß eine Form interdisziplinärer Zusammenarbeit gefunden werden. Man wird etwa bemüht sein, dem Probanden eine entsprechende Hilfe durch einen Mediziner, einen Psychologen oder einen anderen Fachmann zu verschaffen oder ihm eine andere Institution mit verschiedenen Therapieangeboten zugänglich zu machen. Darüber hinaus sind oft Gespräche mit Lebenspartnern, Arbeitgebern und Behörden erforderlich. Diese müssen oft anonym geschehen, damit dem Probanden keine neuen Schwierigkeiten entstehen.

Auch ein gewisses Maß an Aktenführung hilft bei der Arbeit. Wichtige Vereinbarungen, Schriftverkehr, z. B. Stundungsvorschläge, sollten jederzeit griffbereit sein. Bei Krankheit oder Wechsel des Bewährungshelfers müssen sie die Fortführung der Arbeit ermöglichen. Bei alledem sollte aber der Tagesablauf nicht nur zum Streß werden, sondern auch Möglichkeiten zur Weiterbildung bieten. Der Staat hat erkannt, daß durch Bewährungshilfe Kosten bei der Resozialisierung eingespart werden können. Er hat sich auch — zumindest in Bayern — bemüht, die Weiterbildung großzügig zu ermöglichen.

Fälle und Aufgaben

Einige typische Fallbeschreibungen können vielleicht am besten zeigen, welche Aufgaben den Bewährungshelfer erwarten.

Beispiel 1: Klaus, 17 Jahre, gutaussehend und entwickelt, durchschnittlich begabt, steht wegen Eigentums- und anderer Delikte nach einer halbjährigen Inhaftierung bei mir unter Bewährung. Sein Vater, ein Gastwirt, kümmert sich nicht viel um ihn. Der Mutter wurde nach der Scheidung die elterliche Gewalt entzogen.

Nach ersten Gesprächen konnte ich feststellen, daß der Jugendliche mit der Mutter Kontakt aufgenommen hatte. Trotz der Bewährung hielt sich Klaus in zweifelhaften Kreisen auf, in welchen Strichjungen und Kriminelle verkehren.

In mühsamen Gesprächen wurde der Jugendliche auf die Gefahren aufmerksam gemacht. Bei einem Besuch der Mutter konnte ich feststellen, daß sie den Sohn sofort aufnehmen würde. Es kam zu einem Dreiergespräch in der Wohnung der Mutter. Die formalen Rechtsangelegenheiten konnten geregelt werden. Klaus wohnt seitdem bei der Mutter, arbeitet regelmäßig als Hilfsarbeiter und hat mir vor kurzem seine Freundin vorgestellt.

Beispiel 2: Der Proband (geb. 1944) ist Vater zweier unehelicher Kinder. Aus der 7. Volksschulklasse wird er mit durchschnittlichem Zeugnis entlassen.

Zunächst beginnt er eine Lehre als Kfz-Mechaniker und später als Autospengler. Beide Ausbildungen hat er nicht abgeschlossen. Er läuft öfters von zu Hause fort und wird 1959 vorläufig, dann endgültig in Fürsorgeerziehung genommen. Ein Jahr später entweicht er aus dem Erziehungsheim, begeht eine Straftat und wird in kurzer Zeit festgenommen. Wegen Diebstahls und Raubes wird er zu einer einjährigen Jugendstrafe verurteilt. Ein halbes Jahr später wird er bedingt entlassen, wird kurz darauf wieder straffällig und im Anschluß, wegen Vortäuschung einer Straftat mit vierwöchigem Dauerarrest belegt.

Nach dem Widerruf der Strafaussetzung verbüßt er die Reststrafe; nach erneuten Straftaten Untersuchungshaft und neuerliche Verurteilung zu einem Jahr Jugendstrafe wegen Diebstahls und Betrugs.

Nach der Entlassung wird er wegen erschwerten Landfriedensbruchs, Hausfriedensbruchs und gefährlicher Körperverletzung erneut straffällig; Verurteilung zu einer Strafe von sechzehn Monaten. Nach der Verbüßung geht er einer geregelten Arbeit nach. Wegen Zuhälterei, Raubes im Rückfall und anderer Delikte wird er in der Folge zu Gesamtfreiheitsstrafen von zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach Verbüßung von sieben Jahren wird die Reststrafe auf Bewährung ausgesetzt. Der Proband hat inzwischen den Kontakt mit der Bewährungshilfe abgebrochen. Wegen erneuten Raubes wird mit Haftbefehl gegen ihn ermittelt.

Andreas Mehringer, Heimkinder. Gesammelte Aufsätze zur Geschichte und zur Gegenwart der Heimerziehung. München-Basel, 1976. Ernst-Reinhardt-Verlag.

„Was gehen uns die Heimkinder an“

So werden viele fragen. Das Wort allein klingt schon abschreckend — ein paradoxes Wort, das Kinder meint, die eben kein Heim haben und denen wir auch selten eines geben können. Sie werden in Anstalten „verwahrt“. Man denkt dabei an Romane und Gruselfilme, wie Dickens Oliver Twist. Auch heute noch. Und nicht ganz zu unrecht. Damit möchte man lieber nichts zu tun haben.

Aber man hat damit zu tun. Wer meint, Heimerziehung habe mit dem Familienalltag nichts zu schaffen, der stolpert schon über Inhalt und Bedeutung des Wortes „Heim“. Unsere Heime sind schon lange ein Spiegel für den Stand unserer Gesellschaft. Die Zeiten, in denen sie ausschließlich Waisen-und Findelkindern Vorbehalten waren, sind vorbei. Der Autor spricht über den Umgang mit „Sozialwaisen“ und zählt zu diesen die unehelichen Kinder, Stiefkinder, Kinder die mißbraucht und mißhandelt wurden, die sogenannten Scheidungswaisen, Kinder, die durch Trunksucht und Straffälligkeit der Eltern ihr Heim verloren oder die durch Krankheit oder Er-Ziehungsunfähigkeit der Eltern betroffen sind. Solche Kinder begegnen uns täglich in der Schule, am Arbeitsplatz, in der Gemeinde.

Und weiters: Heimkinder sind nur die Spitze eines Eisberges, dessen Basis weit hineinreicht in das Leben auch unserer bürgerlichen Familien. Die Zahl der psychisch geschädigten und gestörten Kinder, denen in frühester Jugend ein wirkliches Heim fehlte, die zu früh und zu viel auf Park- und Abstellplätze für Kinder abgeschoben wurden, ist dauernd im Steigen. Sie zeigen ganz ähnliche Symptome wie Heimkinder. Sie brauchen ganz ähnliche Hilfen, wie sie unser Autor in seiner „Kleinen Heilpädagogik“ schildert.

Der Autor

Aber hier ist der Ort, etwas über den Autor Dr. Andreas Mehringer zu sagen. Das Buch beginnt mit seiner eigenen Geschichte. Als Bauernkind verlor er 1918 mit 7 Jahren seine Mutter. Die Wiederverheiratung des Vaters machte ihn zur Sozialwaise. Da er gut lernte, wurde er in das Internat eines Knabenseminars aufgenommen: Anstaltszögling 151. Sicher keine unmenschliche Umgebung. Aber … „das Schlimmste war — und ist noch heute in der Nacherinnerung an jene Jahre — gar nicht die Strenge, sondern das Gefühl der Verlassenheit. Abends beim Zubettgehen stand irgendein Präfekt oder Pater — lange Zeit war es ausgerechnet der gefürchtete Mathematiklehrer — vor dem Rie-senschlafsaal mit seinen vierzig Betten. Ich mußte an ihm vorbei. Wenn er in sein Brevier vertieft die revue-passierenden Zöglinge mißtrauisch anblickte, hob er seinen Kopf nicht. Niemand sprach wirklich mit mir…“

Als junger Lehrer fand der Autor eine Anstellung in einem Erziehungsheim. Der Direktor sagte zu ihm: „Als Lehrer haben sie es hier gut. So gut wie ein Universitäts-Professor bei der Vorlesung. Disziplinschwierigkeiten gibt es bei uns nicht.“ Wieso nicht? „Ein Präfekt wurde leicht mit neunzig Jungen fertig. Viel leichter als ein Erzieher heute mit 10 Kindern. Im Stil des Arbeitslagers, der Kaserne ist das überhaupt kein Problem. Bei einmal auftretenden Schwierigkeiten mit den einzelnen brauchte der Präfekt sich kaum selbst zu bemühen: dafür gab es kräftige, ältere Mitzöglinge.“

Diese Erfahrungen drängten den Autor dazu, sich einer besseren Heimerziehung zu widmen. Er hat nach 1945 lange Jahre das Münchner Waisenhaus geleitet und dort die Familiengruppen eingeführt. Er war langjähriger Schriftleiter der Zeitschrift „Unsere Jugend“. Er hat viel über die Probleme der Heimerziehung nachgedacht, für neue Wege geworben, Vorträge gehalten, Aufsätze geschrieben. Viele seiner Freunde waren der Meinung, diese Aufsätze sollten in einem Sammelband vorgelegt werden. Hier ist er.

Kleine Heilpädagogik

ln seinem Mittelpunkt steht die kleine Heilpädagogik. Unter „kleiner Heilpädagogik“ versteht Meh-ringer die Frage, wie ein nichtgelernter Heilpädagoge mit dem schwierigen Kind umgehen soll. Es geht um das schwierige Kind in der Familie, mit dem die Eltern nicht fertigwerden; um sehr viele Heimkinder, denn in den Heimen (einschließlich Internat!) verbleiben heute fast nur noch die Problemkinder; um Kinder in der Pflege-und Adoptivfamilie, die sich als schwierig erweisen usw.

Das Wichtigste für diese Kinder bedeutet das „Wahrnehmen“ des Kindes. Es handelt sich dabei um einen Vorgang, der so einfach und selbstverständlich zu sein scheint, daß er heute — unter dem Verlust der Einfachheit im erzieherischen Denken und Handeln — in Gefahr ist, übersehen, von immer neuen Konzepten, auch von Schlagwörtern verschüttet zu werden. „Ich verstehe ‚wahrnehmen‘ wörtlich: auf das Kind zugehen, es anschauen mit verweilendem Blick; bei der ersten Begegnung, und dann immer wieder, beim Weggehen, beim Wiederkommen. Wahrgenommen zu werden in seiner Eigenart, nicht anders sein zu müssen als man ist — ein Grundbedürfnis des Menschen überhaupt. Auch jeder Erwachsene hat dieses Bedürfnis: Anerkennung, Bestätigung seiner ‚Anderheit‘ (M. Buber) … Aus dem Wahrnehmen folgt im Grunde alles weitere: Ich kann mich jetzt in dieses Kind einfühlen. Ich spüre seine Ich-Armut, seinen Nachholbedarf an Zuwendung, Zärtlichkeit, Aileinerlebnissen; daß überhaupt jemand mit ihm spricht..

Ein eigenes Kapitel zeigt die Hilfen, die der Heimerziehung von außen gegeben werden können. Eine liebevolle und treue Patenschaft kann für ein Heimkind viel bedeuten. Manche Heime schaffen sich mit Glück und Fleiß einen Freudeskreis, der die Arbeit wesentlich erleichtert. Hier fühlt sich der Leser dazu aufgerufen, Mitverantwortung zu tragen.

Für jeden von uns ist dieses Buch bedeutsam, weil es vom Gedanken der konkreten Nächstenliebe ausgeht. Es ist nicht der Versuch einer wissenschaftlichen Abhandlung zur Heimproblematik, sondern es zeigt dem Leser direkt, was er im Umgang mit Soziaiwaisen tun kann und beachten muß. Weil Mehrin-gers Heimmodell den Kindern wirklich ein „Daheim“ brachte, ist es für jede Familie als Anregung und Hilfe interessant. Mehringer stellt nicht so sehr eine neue Idee oder ein Modell in den Vordergrund, sondern er zeigt, wie aus der Grundidee des Christentums, der konsequenten Nächstenliebe, dem Vertrauen und dem mitmenschlichen Handeln, immer wieder neue großartige Lebenshilfen entstehen können. Er greift die zentralen Worte des Evangeliums Freiheit und Befreiung auf und zeigt, wie sie sich an konkreten Kinderschicksalen erfüllen können, so daß sie nicht mehr hohl und leer erscheinen: „Erziehung muß dem jungen Menschen helfen im tieferen Sinn erst frei zu werden.“

Trotz einer Flut pädagogischer Fachliteratur besteht ein Mangel an Wissen um das Allereinfachste, das Allernötigste: einer menschlicheren Heimerziehung auch in Säuglingsheimen. Mit diesen Aufzeichnungen aus eigener Erfahrung wendet sich Mehringer an alle Menschen, die an Kindern interessiert sind, denn mehr Wissen um diese Kinder ist ein Bildungselement auch für den Umgang mit den eigenen, ja allen Kindern. Er wendet sich an Lehrer von Fachschulen und Sozialpädagogen und natürlich an Heimerzieher selbst und nicht zuletzt an alle Kinderfreunde als Anregung und Aufmunterung.

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